Verbale Entwicklungsdyspraxie bei Kindern: Anzeichen, Therapie & kostenlose Checkliste

Kind übt gemeinsam mit einer Logopädin die Aussprache während einer Sprachtherapie.

Dein Kind weiß, was es sagen möchte, aber das Sprechen scheint ihm unheimlich schwer zu fallen?

Vielleicht spricht dein Kind deutlich weniger als andere Kinder im gleichen Alter oder ist für Menschen außerhalb der Familie nur schwer zu verstehen.

Vielleicht fällt dir auf, dass dasselbe Wort bei mehreren Versuchen immer wieder anders klingt. Manche Wörter gelingen einmal gut und beim nächsten Versuch kaum noch.

Oder dein Kind braucht sichtbar viel Konzentration, um bestimmte Laute oder Wörter auszusprechen.

Solche Auffälligkeiten können unterschiedliche Ursachen haben. Eine mögliche Ursache ist die Verbale Entwicklungsdyspraxie, kurz VED.

Bei einer VED liegt die Schwierigkeit vor allem darin, die Bewegungsabläufe für das Sprechen zu planen und aufeinander abzustimmen. Das Kind weiß häufig, was es sagen möchte, kann die dafür notwendigen Sprechbewegungen aber nicht immer zuverlässig umsetzen.

Auf dieser Seite erfährst du, welche Anzeichen bei einer Verbalen Entwicklungsdyspraxie auftreten können, worin sie sich von anderen Sprechauffälligkeiten unterscheidet und wann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein kann.

Was ist eine Verbale Entwicklungsdyspraxie?

Die Verbale Entwicklungsdyspraxie (VED) ist eine meist schwere Aussprachestörung. Das zentrale Problem liegt bei der Planung und Programmierung der Bewegungen, die für das Sprechen notwendig sind.

Beim Sprechen müssen Lippen, Zunge und andere beteiligte Strukturen sehr schnelle und genau aufeinander abgestimmte Bewegungen ausführen. Bei einer VED fällt es dem Kind schwer, diese Bewegungsabläufe zuverlässig zu planen.

Dadurch können Laute, Silben und Wörter unterschiedlich ausgesprochen werden. Auch die Übergänge zwischen einzelnen Lauten sowie Betonung und Sprechrhythmus können betroffen sein.

Wichtig ist: Eine VED entsteht nicht einfach dadurch, dass ein Kind einzelne Laute noch nicht richtig aussprechen kann.

Auch schwache Mundmuskeln sind nicht das grundlegende Problem. Die deutsche S3-Leitlinie beschreibt VED als Störung der Genauigkeit und Konstanz von Sprechbewegungen ohne zugrunde liegende neuromuskuläre Defizite.

Manche Kinder haben zusätzlich Schwierigkeiten in anderen Bereichen der Sprachentwicklung. Deshalb wird bei einer fachlichen Abklärung nicht nur die Aussprache einzelner Wörter betrachtet.

Sprachapraxie, kindliche Sprechapraxie oder VED?

Wenn du online nach den Schwierigkeiten deines Kindes suchst, begegnen dir möglicherweise verschiedene Begriffe.

Im deutschsprachigen Raum wird meist die Bezeichnung Verbale Entwicklungsdyspraxie verwendet.

Daneben findest du häufig Begriffe wie kindliche Sprechapraxie, Sprachapraxie bei Kindern oder den englischen Begriff Childhood Apraxia of Speech (CAS).

Die Begriffe werden jedoch nicht überall genau gleich verwendet. In der deutschsprachigen Fachliteratur kann mit „kindlicher Sprechapraxie“ auch eine erworbene Sprechapraxie nach einer neurologischen Schädigung gemeint sein.

Deshalb verwenden wir auf dieser Seite für die entwicklungsbedingte Form überwiegend den Begriff Verbale Entwicklungsdyspraxie (VED).

Anzeichen einer Verbalen Entwicklungsdyspraxie

Nicht jedes Kind mit VED zeigt die gleichen Auffälligkeiten.

Es gibt auch kein einzelnes Merkmal, mit dem Eltern selbst sicher feststellen können, ob eine VED vorliegt.

Vielleicht fällt dir auf, dass dein Kind:

  • dasselbe Wort bei mehreren Versuchen unterschiedlich ausspricht

  • bei längeren oder schwierigeren Wörtern deutlich mehr Fehler macht

  • Laute oder Silben auslässt, verändert oder vertauscht

  • Schwierigkeiten hat, flüssig von einem Laut oder einer Silbe zur nächsten überzugehen

  • beim Sprechen manchmal sichtbar nach der richtigen Stellung von Lippen oder Zunge sucht

  • bei schwierigen Wörtern mehrmals neu ansetzt

  • ein Wort einmal deutlich aussprechen kann, obwohl dasselbe Wort zu einem anderen Zeitpunkt kaum gelingt

  • eine auffällige Betonung oder einen ungewöhnlichen Sprechrhythmus zeigt

  • insgesamt nur schwer verständlich ist

Besonders charakteristisch können wechselnde Fehler bei wiederholten Wörtern, Schwierigkeiten bei den Übergängen zwischen Lauten und Silben sowie Auffälligkeiten bei Betonung und Sprechrhythmus sein. Auch diese Merkmale reichen jedoch nicht aus, um eine VED sicher festzustellen.

Warum klingt dasselbe Wort immer wieder anders?

Eltern bemerken manchmal, dass ein Wort nicht einfach nur „falsch“ ausgesprochen wird, sondern bei verschiedenen Versuchen unterschiedlich klingt.

Vielleicht wird aus demselben Wort beim ersten Versuch eine bestimmte Lautfolge und beim nächsten Versuch eine andere.

Diese wechselnden Fehler können bei einer VED auftreten.

Das bedeutet aber nicht, dass jedes Kind, das Wörter unterschiedlich ausspricht, eine VED hat. Auch bei einer inkonsequenten phonologischen Störung können Wörter bei mehreren Versuchen unterschiedlich ausgesprochen werden.

Gerade deshalb ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Aussprachestörungen nicht immer einfach und sollte nicht allein anhand einer Checkliste erfolgen. Die deutsche S3-Leitlinie beschreibt die Abgrenzung zwischen VED und inkonsequenter phonologischer Störung ausdrücklich als anspruchsvoll.

Frühe Anzeichen bei Babys und Kleinkindern

Bei manchen Kindern zeigen sich Besonderheiten bereits bevor sie viele Wörter sprechen.

Mögliche frühe Beobachtungen können sein:

  • das Kind lallt als Baby wenig oder nur mit wenigen unterschiedlichen Lauten

  • in frühen Lautäußerungen kommen nur wenige Konsonanten vor

  • erste Wörter entwickeln sich deutlich später

  • neue Wörter sind nur schwer aufzubauen

  • die ersten gesprochenen Wörter sind nur schwer verständlich

  • das Kind nutzt verstärkt Gesten oder Zeigen, wenn gesprochene Wörter nicht gelingen

Reduziertes oder wenig vielfältiges Lallen wird in der Fachliteratur als möglicher früher Hinweis bei VED beschrieben. Auch ein verspäteter Sprechbeginn kann vorkommen.

Diese Beobachtungen sind jedoch nicht spezifisch für VED.

Viele Kinder beginnen später zu sprechen, ohne eine Verbale Entwicklungsdyspraxie zu haben. Bei sehr jungen Kindern kann es außerdem noch schwierig sein, die typischen Sprechmuster zuverlässig zu beurteilen.

Wenn du dir Sorgen um die Sprechentwicklung deines Kindes machst, musst du deshalb nicht auf ein bestimmtes Alter warten. Auffälligkeiten können früh fachlich besprochen werden, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch keine eindeutige Einordnung möglich ist.

Was ist mit Schwierigkeiten beim Essen und Trinken?

Bei manchen Kindern mit VED werden zusätzlich Schwierigkeiten beim Saugen, Schlucken oder beim Übergang zu fester Nahrung beschrieben. Auch andere motorische Auffälligkeiten können gemeinsam auftreten.

Solche Schwierigkeiten sind jedoch kein zuverlässiges VED-Anzeichen und können viele andere Ursachen haben.

Sie sollten deshalb nicht benutzt werden, um selbst auf eine Verbale Entwicklungsdyspraxie zu schließen.

VED oder Late Talker?

Ein Kind, das spät mit dem Sprechen beginnt, hat nicht automatisch eine Verbale Entwicklungsdyspraxie.

Als Late Talker werden Kinder bezeichnet, deren aktive Sprachentwicklung im Kleinkindalter deutlich verzögert ist.

Bei einer VED steht dagegen besonders die Planung der Sprechbewegungen im Mittelpunkt.

Bei einem Kind mit VED können zum Beispiel zusätzlich auffallen:

  • dasselbe Wort klingt bei Wiederholungen unterschiedlich

  • längere Wörter werden deutlich schwieriger

  • der Übergang zwischen Lauten und Silben fällt schwer

  • Betonung oder Sprechrhythmus wirken ungewöhnlich

  • beim Sprechen sind teilweise Suchbewegungen von Lippen oder Zunge zu beobachten

Ein verspäteter Sprechbeginn kann also Teil des Gesamtbildes sein, reicht für sich allein aber nicht aus, um eine VED zu vermuten.

VED oder eine andere Aussprachestörung?

Nicht jedes Kind, das schwer verständlich spricht, hat dieselbe Art von Sprechstörung.

Artikulationsstörung

Bei einer Artikulationsstörung fällt vor allem die korrekte Bildung eines bestimmten Lautes schwer.

Ein bekanntes Beispiel ist eine fehlerhafte Bildung des Lautes „s“.

Phonologische Störung

Bei einer phonologischen Störung hat das Kind Schwierigkeiten mit dem Lautsystem der Sprache. Bestimmte Laute oder Lautgruppen werden nach wiederkehrenden Mustern ersetzt, ausgelassen oder verändert.

Verbale Entwicklungsdyspraxie

Bei einer VED liegt das Kernproblem bei der Planung und Programmierung der Sprechbewegungen.

Dadurch können die Fehler stärker wechseln. Auch längere Wörter und komplexere Lautfolgen werden häufig schwieriger.

Die Abgrenzung ist nicht immer eindeutig. Besonders eine inkonsequente phonologische Störung kann auf den ersten Blick ähnlich wirken wie eine VED. Fachpersonen betrachten deshalb mehrere Merkmale gemeinsam und verlassen sich nicht auf ein einzelnes Symptom.

Warum entsteht eine Verbale Entwicklungsdyspraxie?

Bei vielen Kindern lässt sich keine einzelne Ursache nennen.

Bei VED liegt die Schwierigkeit in der neurologischen Planung und Programmierung von Sprechbewegungen. Bei einem Teil der Kinder wurden Zusammenhänge mit genetischen Veränderungen oder bestimmten genetischen Syndromen beschrieben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass bei jedem Kind mit VED eine bestimmte genetische Ursache gefunden wird.

Eine VED entsteht auch nicht dadurch, dass Eltern zu wenig mit ihrem Kind gesprochen, zu wenig vorgelesen oder die Sprachentwicklung falsch unterstützt haben.

Wie kann sich eine VED im Alltag zeigen?

Wenn ein Kind genau weiß, was es mitteilen möchte, aber immer wieder nicht verstanden wird, kann das im Alltag sehr anstrengend sein.

Vielleicht verstehst du dein Kind zu Hause recht gut, während Großeltern, andere Kinder oder pädagogische Fachkräfte deutlich mehr Schwierigkeiten haben.

Vielleicht muss dein Kind ein Wort mehrmals wiederholen oder nutzt zusätzlich Gesten, um verständlich zu machen, was es meint.

Manche Kinder reagieren frustriert, wenn ihnen das Sprechen nicht gelingt.

Andere sprechen in bestimmten Situationen weniger oder finden eigene Wege, um sich verständlich zu machen.

Nicht jedes Kind reagiert gleich.

Deshalb ist neben der Aussprache auch wichtig zu beobachten, wie gut dein Kind im Alltag seine Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse mitteilen kann.

VED in Kindergarten und Schule

Mit zunehmendem Alter werden Gespräche länger und die sprachlichen Anforderungen größer.

Aus Rückmeldungen von pädagogischen Fachkräften kann sich zum Beispiel zeigen, dass dein Kind:

  • von anderen Kindern häufig nicht verstanden wird

  • Wörter oder Antworten mehrfach wiederholen muss, um verstanden zu werden

  • bei längeren Wörtern deutlich größere Schwierigkeiten hat

  • mehr Zeit benötigt, um eine mündliche Antwort zu geben

  • weniger spricht, wenn es befürchtet, nicht verstanden zu werden

  • Gesten oder andere Möglichkeiten nutzt, um seine Aussage zu unterstützen

Für pädagogische Fachkräfte ist wichtig zu wissen, dass eine schwer verständliche Aussprache nicht automatisch bedeutet, dass ein Kind etwas nicht verstanden hat.

Bei VED können die expressiven sprachlichen Leistungen stärker betroffen sein als das Sprachverständnis. Trotzdem sollte auch das Sprachverständnis individuell betrachtet werden, weil zusätzliche Sprachschwierigkeiten vorkommen können.

Dem Kind genügend Zeit zum Antworten zu geben und zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten zuzulassen, kann den Alltag erleichtern.

Was können Eltern zu Hause tun?

Auch zu Hause können Eltern ihr Kind gezielt beim Sprechen unterstützen und Übungen aus der Therapie in den Alltag einbauen.

Besonders hilfreich ist es, wenn die Übungen mit der behandelnden Logopädin oder dem behandelnden Logopäden abgestimmt sind. So kann genau das geübt werden, was für das Kind gerade wichtig ist.

Im Alltag können außerdem kleine Veränderungen helfen, den Druck beim Sprechen zu reduzieren und Kommunikation angenehmer zu machen.

Zeit zum Sprechen geben

Manche Kinder benötigen mehr Zeit, um eine Äußerung vorzubereiten.

Es kann helfen, kurz abzuwarten, anstatt einen Satz sofort für das Kind zu beenden.

Nicht jedes Wort verbessern

Wenn jede Äußerung korrigiert oder mehrfach wiederholt werden muss, kann das Sprechen schnell anstrengend werden.

Wenn du verstanden hast, was dein Kind mitteilen möchte, darf zunächst die Kommunikation selbst im Vordergrund stehen.

Andere Wege der Kommunikation zulassen

Wenn du merkst, dass dein Kind frustriert ist, weil ein Wort nicht gelingt oder es nicht verstanden wird, können andere Kommunikationswege helfen.

Gib deinem Kind zunächst Zeit, selbst zu versuchen, das Wort oder die Aussage zu sprechen. Lobe dabei vor allem den Versuch und die Anstrengung, nicht nur eine richtige Aussprache.

Wenn das Sprechen gerade nicht gelingt, können Gesten, Zeigen, Bilder oder andere Kommunikationshilfen dabei helfen, trotzdem verstanden zu werden.

Diese Möglichkeiten sollen das Sprechen nicht ersetzen, sondern die Kommunikation unterstützen und Frustration reduzieren. Das Kind kann weiterhin zum Sprechen ermutigt werden, ohne dass jede Mitteilung von einer erfolgreichen Aussprache abhängig gemacht wird.

Übungen aus der Therapie gezielt übernehmen

Bei einer VED ist häufiges und gezieltes Üben von Sprechbewegungsabläufen wichtig.

Übungen für zu Hause sollten jedoch zur Therapie deines Kindes passen und von der behandelnden Fachperson erklärt werden.

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei VED eine möglichst frühzeitige Sprachtherapie mit hochrepetitiven Übungseinheiten zum Erlernen von Sprechbewegungsabläufen.

Das bedeutet nicht, dass ein Kind den ganzen Tag Wörter wiederholen sollte. Kurze, gezielte Übungen sind meist sinnvoller als möglichst viel ungeplantes Üben. Dabei können die Übungen auch spielerisch gestaltet werden. Manche Kinder finden es zum Beispiel motivierender, wenn Eltern und Kind sich beim Üben abwechseln, Wörter in ein Spiel eingebaut werden oder kleine Übungsphasen mit einer vertrauten Aktivität verbunden werden. Wichtig ist, dass die Übungen zur Therapie passen und nicht zu zusätzlichem Druck führen.

Mundmotorische Übungen richtig einordnen

Übungen mit Lippen, Zunge oder Mund können in manchen Fällen sinnvoll sein, wenn bei einem Kind zusätzliche mundmotorische Schwierigkeiten bestehen und sie von einer Fachperson gezielt empfohlen werden.

Bei einer Verbalen Entwicklungsdyspraxie liegt die Hauptschwierigkeit jedoch nicht einfach in zu schwachen Mundmuskeln, sondern in der Planung und Abstimmung der Bewegungen, die für das Sprechen notwendig sind.

Deshalb konzentriert sich die gezielte VED-Therapie vor allem auf tatsächliche Sprechbewegungen, Laute, Silben und Wörter. Mundmotorische Übungen können je nach Kind ergänzend eingesetzt werden, sollten aber die gezielte Arbeit am Sprechen nicht ersetzen.

Sprache und Kommunikation spielerisch begleiten

Neben den gezielten Übungen aus der Therapie können auch alltägliche gemeinsame Aktivitäten die Sprachentwicklung und die Freude an Kommunikation unterstützen.

Beim Spielen, Vorlesen, Singen oder gemeinsamen Erzählen hört dein Kind Sprache in unterschiedlichen Situationen und bekommt viele natürliche Möglichkeiten, selbst zu kommunizieren.

Zum Beispiel kannst du:

  • gemeinsam Bilderbücher anschauen und über die Bilder sprechen

  • Lieder, Reime und rhythmische Spiele in den Alltag einbauen

  • beim Spielen beschreiben, was gerade passiert

  • deinem Kind ausreichend Zeit geben, selbst zu antworten

  • Wörter oder kurze Sprechübungen spielerisch in gemeinsame Aktivitäten einbauen

  • dich beim Üben mit deinem Kind abwechseln, damit es sich weniger wie eine Aufgabe anfühlt

  • auf das eingehen, was dein Kind mitteilen möchte, anstatt jede Aussprache sofort zu korrigieren

Dabei sollte kein zusätzlicher Druck entstehen. Gemeinsames Spielen, Lesen und Singen können Sprache und Kommunikation unterstützen, ersetzen bei einer Verbalen Entwicklungsdyspraxie aber nicht die gezielten Übungen und die logopädische oder sprachtherapeutische Behandlung.

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Wie wird eine Verbale Entwicklungsdyspraxie festgestellt?

Es gibt keinen einzelnen Test und kein einzelnes Merkmal, mit dem Eltern selbst feststellen können, ob eine VED vorliegt.

Bei einer fachlichen Untersuchung kann unter anderem betrachtet werden:

  • welche Laute und Silben dein Kind bilden kann

  • wie dasselbe Wort bei mehreren Versuchen ausgesprochen wird

  • wie gut Übergänge zwischen Lauten und Silben gelingen

  • ob längere Wörter mehr Schwierigkeiten verursachen

  • wie Betonung und Sprechrhythmus klingen

  • ob beim Sprechen sichtbare Suchbewegungen mit Lippen, Zunge oder Kiefer auftreten

  • wie verständlich dein Kind im spontanen Sprechen ist

  • ob andere Sprech- oder Sprachstörungen die Auffälligkeiten besser erklären

Auch die bisherige Sprech- und Sprachentwicklung ist wichtig. Hinweise aus der frühen Entwicklung, etwa sehr wenig Lallen, können bei der fachlichen Einordnung berücksichtigt werden.

Je nach Situation können auch das Hörvermögen sowie weitere sprachliche oder entwicklungsbezogene Bereiche untersucht werden.

Gerade weil sich verschiedene Aussprachestörungen ähnlich zeigen können, ist eine sorgfältige Differentialdiagnostik wichtig.

Ab welchem Alter kann eine VED festgestellt werden?

Eltern bemerken Schwierigkeiten häufig schon im Kleinkindalter.

Bei sehr jungen Kindern kann eine eindeutige Einordnung jedoch schwierig sein, weil sie noch nicht genügend unterschiedliche Wörter und Lautfolgen produzieren, um die typischen Muster zuverlässig beurteilen zu können.

Deshalb kann zunächst auch ein Verdacht auf eine Verbale Entwicklungsdyspraxie bestehen, während die weitere Sprechentwicklung beobachtet und fachlich begleitet wird.

Das bedeutet aber nicht, dass man bei deutlichen Auffälligkeiten einfach abwarten sollte.

Wenn du dir Sorgen um die Sprechentwicklung deines Kindes machst, kann eine frühe fachliche Einschätzung sinnvoll sein. Eine genaue Diagnose kann dann erfolgen, sobald genügend Informationen für eine verlässliche Beurteilung vorhanden sind. Die Fachliteratur weist darauf hin, dass die Diagnose bei Kindern unter drei Jahren besonders schwierig sein kann.

Wie wird eine Verbale Entwicklungsdyspraxie behandelt?

Bei einer VED ist eine gezielte logopädische oder sprachtherapeutische Behandlung wichtig.

Im Mittelpunkt steht das Lernen und Festigen der Bewegungsabläufe, die für Laute, Silben und Wörter benötigt werden.

Dabei werden Sprechbewegungen gezielt und häufig wiederholt, damit sie zunehmend sicherer und automatisierter abgerufen werden können.

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt eine möglichst frühzeitige Behandlung mit hochrepetitivem Üben von Sprechbewegungsabläufen. Für den deutschsprachigen Raum nennt die Leitlinie unter anderem DTTC und VEDiT als Verfahren, die in Betracht gezogen werden können.

Welche Therapie geeignet ist, hängt vom Alter des Kindes, dem individuellen Sprechprofil und dem Ausmaß der Schwierigkeiten ab.

Deshalb sollte die Therapie immer an das einzelne Kind angepasst werden.

Eltern können den Fortschritt unterstützen, indem sie Übungen zu Hause so durchführen, wie sie von der behandelnden Fachperson erklärt wurden.

Wann ist eine fachliche Abklärung sinnvoll?

Du musst nicht selbst entscheiden können, ob hinter den Schwierigkeiten eine Verbale Entwicklungsdyspraxie steckt.

Eine fachliche Einschätzung ist sinnvoll, wenn du dir Sorgen um die Sprechentwicklung deines Kindes machst oder die Schwierigkeiten den Alltag deutlich beeinflussen.

Zum Beispiel wenn:

  • dein Kind deutlich schwerer verständlich ist als andere Kinder im gleichen Alter

  • die Sprechentwicklung deutlich verzögert erscheint

  • dasselbe Wort bei mehreren Versuchen häufig unterschiedlich klingt

  • längere Wörter erheblich schwerer fallen

  • das Sprechen sichtbar viel Konzentration oder Anstrengung erfordert

  • dein Kind häufig nicht verstanden wird

  • die Schwierigkeiten dein Kind zunehmend belasten

Eine erste Anlaufstelle kann die Kinderärztin oder der Kinderarzt sein. Je nach Situation kommen außerdem logopädische oder sprachtherapeutische Fachpersonen, Frühförderstellen, Sozialpädiatrische Zentren oder andere spezialisierte Angebote infrage.

Kann eine Checkliste zeigen, ob mein Kind eine VED hat?

Nein.

Eine Checkliste kann keine Verbale Entwicklungsdyspraxie diagnostizieren und auch nicht sicher zwischen einer VED und anderen Aussprachestörungen unterscheiden.

Sie kann dir jedoch helfen, deine Beobachtungen zu ordnen.

Vielleicht fällt dir dadurch genauer auf:

  • ob dasselbe Wort bei mehreren Versuchen unterschiedlich klingt

  • welche Wörter besonders schwierig sind

  • ob längere Wörter deutlich mehr Schwierigkeiten bereiten

  • ob Übergänge zwischen Lauten oder Silben schwerfallen

  • ob das Sprechen sichtbar anstrengend wirkt

  • ob Auffälligkeiten bei Betonung oder Sprechrhythmus auftreten

  • welche Möglichkeiten dein Kind nutzt, wenn ein Wort nicht gelingt

Solche konkreten Beobachtungen können bei einem Gespräch mit einer Kinderärztin, einem Kinderarzt oder einer sprachtherapeutischen Fachperson hilfreich sein.

Kostenlose VED Checkliste für Kinder

Wenn du dir Gedanken über die Sprechentwicklung deines Kindes machst, kann die Checkliste dabei helfen, Beobachtungen aus dem Alltag übersichtlich festzuhalten.

Die Checkliste ist als Beobachtungshilfe für Eltern gedacht.

Wenn du Beobachtungen über einen längeren Zeitraum sammelst, entsteht oft ein genaueres Bild als nach einer einzelnen Situation.

Die Notizen können auch hilfreich sein, wenn du später mit einer Fachperson über die Sprechentwicklung deines Kindes sprichst.

Kostenlose VED Checkliste für Kinder herunterladen →

Quellen und weiterführende Informationen

AWMF: S3-Leitlinie Therapie von Sprachentwicklungsstörungen Deutscher Bundesverband für Logopädie (dbl): Verbale Entwicklungsdyspraxie For the live page, I would make those two source names clickable rather than putting references throughout the article. The AWMF guideline is the strongest source for the definition, core signs, differential diagnosis and treatment recommendations, while the dbl page is much more accessible for parents.

AWMF S3-Leitlinie Sprachentwicklungsstörungen


Deutscher Bundesverband für Logopädie: Verbale Entwicklungsdyspraxie